Wer will noch eins – wer hat noch nicht?

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Die T-Shirts der Akzente-2012-Edition sind nun auch im RUHR.VISITORCENTER Tourist Information im CityPalais zu bekommen - für läppische zehn Euro. Die Shirts sind schwarz und haben, passend zu Mercator und dem diesjährigen Motto, Begriffe wie Universalgelehrter, Philosoph, Ketzer oder Humanist auf der Brust stehen. Natürlich ist auch die weibliche Variante zu haben. Zudem gibt es auch noch die Shirts mit dem Kunstdruck von Leo Leander Namislow im RVC. Wer sich also beeilt, bekommt noch ein nettes Erinnerungsstück an die Duisburger Akzente 2012 – und kann gleichzeitig der Welt zeigen, mit wem man es zu tun hat ;)

Vier Himmelsrichtungen und ein Festkonzert

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Vier Menschen, zufällig aus den vier verschiedenen Himmelsrichtungen zusammengekommen sind durch einen schicksalshaften Moment nun miteinander verbunden. Das Geschehen wird durch die fragmentarischen Monologe der Beteiligten nach und nach zu einem Ganzen zusammen gesetzt. Ein LKW-Fahrer ist zu schnell in die Kurve gefahren und mit seinem Gefährt in einer Senke gelandet, die LAdung überall verstreut. Der "Dicke" flüchtet. Er steigt aus. Er hat eine Waffe und begeht zwei Überfalle. Jemand wird sterben. Das sieht die Hellseherin die ganze Zeit schon voraus. Die Ladung des LKW, Luftballons, wird gefunden von einem Mann, der daraus seine Profession entwickelt und zu Tieren geformte Ballons verkauft. Beide Männer treffen auf eine junge Frau, die Locken hat wie die Medusa aus der antiken Mythologie. DIe Männer raufen um die Frau. Der Ballonverkäufer stirbt.

Es ist ein rechtes Puzzlespiel, das sich da auf der Bühne des Theater Duisburg auftat. Das 2011 uraufgeführte Stück von Roland Schimmelpfennig, dem zurzeit meist gespielten deutschen Gegenwartsdramatiker, macht es dem Zuschauer nicht leicht. Die Fragmente liegen vereinzelt da, werden vorausschauend, zurückblickend, gegenwärtig zusammengesetzt, bis sich alle Zufälligkeiten und alle Schicksale immer weiter verdichten. Es ist faszinierend zu sehen, dass indirekte Rede und Monolog an Monolog dennoch ein Zusammenspiel ergeben, das die Künstlichkeit überwindet.

Das Gastspiel der Kooproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Theater Berlin zeigt schauspielerische Glanzleistungen des Ensembles Ulrich Matthes, Kathleen Morgeneyer, Andreas Döhler und Almut Zilcher.Das Publikum honorierte das mit langanhaltendem Applaus.

 

TÖNET, IHR PAUKEN! ERSCHALLET, TROMPETEN!

Im Rahmen der Duisburger Akzente gab es am Sonntag das Festkonzert "500 Jahre Gerhard Mercator".in der Salvatorkirche. Unter der Leitung von Marcus Strümpe intonierte die Kantorei der Salvatorkirche mit den Duisburger Philharmonikern zwei Huldigungsmusiken: Zum Einen Johann Sebastian Bachs Kantate "Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten", die 1733 uraufgeführt wurde. Zum Anderen die Bühnenmusik zu Tobias Philipp Freiherr von Geblers Schauspiel "Thamos, König in Ägypten",  das zwischen 1773 und 1779 entstanden ist.

Stimmgewaltig tönte dann auch der Chor und erschallten die Sologesänge von Stamatia Geothanasi (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Boheyeon Mun (Tenor) und Harald Martini (Bass), die zunächst Bachs Kantate intonierten. Ursprünglich zum Geburtstag der sächsischen Königin komponiert, wurde beim gestrigen Konzert damit Gerhard Mercator zum Abschluss der Akzente gehuldigt. 

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Ebenso episch: Mozarts Komposition zu "Thamos, König in Ägypten". Auch hier wechselten sich Chor, Orchester und die Solisten ab und kreierten in der Salvatorkirche einen volumiösen Klang. Der hatte schon nach dem ersten Stück großen Eindruck beim Publikum hinterlassen, sodass sich scheinbar niemand traute zu klatschen. Schließlich brach der Applaus aber doch noch los und lobte alle Musiker und Sänger für ein fabelhaftes Konzert. 
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Das waren die 34. Duisburger Akzente 2012 - fast

Zwei Tage noch, dann gehen mehr als zwei Wochen Akzente zu Ende, zurück bleibt sicherlich ein sehr schön gestaltetes Schulgebäude und die Feststellung, dass Kunst und Kultur menschenwichtig sind und das Profil einer Stadt prägen.

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Bilanz-PK Akzente: Frank Jebavy, Olaf Reifegerste, Karl Janssen

Kulturdezernent Karl Janssen, Koordinator Olaf Reifegerste und Festivalleiter Frank Jebavy resümierten positiv über die vergangenen 14 Tage auf der Bilanz-Pressekonferenz. In Besucherzahlen ausgedrückt lässt sich die Leistung folgendermaßen darstellen:

Die Theatervorstellungen besuchten 5000 Menschen, bei den Lesungen waren 1100 anwesend, 800 Gäste besuchten die Beiträge des Filmforums, 5000 Besucher wurden am Tag der Eröffnung bei der Show „Cromatico“ gezählt, im Festivalzentrum waren rund 6000 Leute vor Ort und die Aula-Konzerte besuchten im Schnitt 60 – 80 Zuhörer pro Vorstellung.

„Mercator ist weiter ins Bewusstsein der Duisburger gerückt“, sagt Janssen und hebt damit das diesjährige Motto „Vom Suchen und Finden“ hervor. Auch, dass das Festival wieder einen räumlichen Schwerpunkt hatte, in diesem Jahr das MercatorQuartier im Berufskolleg, tat dem Festival gut. Es ist kein Festival für die Massen, sondern für den kleinen, feinen Geschmack, erklärt Janssen.

Ebenfalls  zufrieden zeigte sich Frank Jebavy: „Wir sind müde, aber entspannt“, beschreibt er die momentane Situation. Die Akzente seien noch mehr ins Blickfeld der Kulturszene gerückt, auch was die überregionale Medienaufmerksamkeit anging. Das kleine Kulturfestival hat seine ganz eigene Handschrift und tritt sogar als Produzent eigener Theaterproduktionen auf. Jebavys Wunsch ist es zudem, die Akzente noch mehr auf „die Straße zu bringen, die Kultur muss die Leute von dort abholen.“

Für Olaf Reifegerste waren es die letzten Duisburger Akzente als Koordinator, in diesem Jahr geht er in den Vorruhestand. Er dankte sowohl Frank Jebavy für die komplementäre, inspirierende Zusammenarbeit und bedankte sich ebenfalls bei dem Kulturdezernenten für das entgegengebrachte Vertrauen. Bezüglich des Festivals hob er die verschiedenen kreativen Herangehensweisen der Kunstrichtungen hervor, sich mit dem Thema Mercator auseinanderzusetzen. Ob Theaterstück, Objekte in der Kunstetage oder das sorgsam ausgesuchte Programm des Filmforums im Rahmen der Akzente - sie alle haben ihren Weg zu Mercator gefunden. Außerdem betonte Reifegerste, dass die Akzente kein Auseinanderdividieren von „Hoch- und Subkultur“ seien. Die Duisburger Akzente verbinden beides zu einem Ganzen.

Film, Theater, Lesung, Konzert: Von Paracelsus über Jedermann zu Finn-Ole Heinrich &Spacemann Spiff

Die Landung ist unspektakulär: Auf einmal steht er auf der Bühne. In Khakis, grauem T-Shirt  und mit einer schwarzen Brille. Spaceman Spiff steht da mit der Gitarre vor dem Körper und spielt sein erstes Lied. Der Würzburger, der sich nach einer Figur aus der Kult-Comic-Reihe Calvin & Hobbes benannt hat und eigentlich Hannes Wittmer heißt, begrüßt sein Publikum mit "Hallo, ihr lieben Menschen" und gewinnt so schon schnell Sympathien. Seine Songs sind fast alle traurig,wie er selbst feststellt. Er kleidet diese Melancholie aber in tolle Texte, die man alle aufschreiben und für sich selber weiternutzen möchte. In "100.000 Kilometer", einem Lied aus seiner Punk-Rock-Phase, heißt es zum Beispiel "Wohin soll ich laufen, so ganz ohne Boden untre den Füßen?" Zwischendurch gibt es immer wieder launige Ansagen, so stellt er fest, dass sich sein Auftritt nach David Lynch anfühle: "Der Hall, die Räucherstäbchen - das riecht nach Lynch!" Spaceman Spiff fühlt sich auf der Bühne wohl, das merkt man und wie singt er selbst "Was braucht es mehr als Mut und Herz und Verstand und eine Gitarre in der Hand?" Eben!

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 Nach seinem Set teilt Spiff sich die Bühne mit Finn Ole Heinrich. Der 1982 in  der Hansestadt Hamburg geborene Autor und Filmemacher stimmt mit seinen Texten in die melancholische Grundstimmung ein. Die Lesung ist musikalisch unterlegt, das ganze bekommt eine sphärische Verdichtung. Heinrich, der geübte Poetry Slammer, hat eine sehr angenehme Stimme und liest von Trennung und Schmerz und Wut. Der vielfach mit Förderpreisen und Stipendien bedachte Heinrich (2012 erhielt er das Heinrich-Heine-Stipendium des Literaturbüros Lüneburg) und Spiff schaffen eine "Hörbuch-Atmosphäre", in der man sich ganz dem Lauschen hingeben kann.

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Ein Spiel von Jedermann – 14. März 2012

Im Himmel ist die Hölle los oder doch eher auf Erden? Da tanzen die gefallenen Engel mit denen die noch im Lichte stehen zu ACDC und mitten drin lässt es sich Jedermann sehr gut gehen.
Jemand anderem geht es derweil gar nicht so gut, nach so langer Zeit im Amt und bei dem Anblick was seine Brut so treibt. Die Gier nach Geld, Macht und leichter Muse lässt ganz vergessen wo die wahren göttlichen Werte liegen: in guten Taten, Erkenntnis und Bescheidenheit.

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Bevor dem Gott sein Schicksal ereilt ruft er den Tod herbei, er solle Jedermann auf seine Reise schicken. Der wird mitten aus seinem prallen Leben gerissen. Als ihn die Erkenntnis ereilt, dass sein Schicksal unausweichlich ist, möchte er wenigstens einen Gefährten für den langen Weg finden. Seine Bitte wird erhört, seine Odyssee beginnt, aber wer soll da sein, wohin soll es gehen? Mercators Atlas wird für die Findung einer Zuflucht aufgeschlagen, ein Entkommen gibt es jedoch nicht. Die Freundschaft lässt ihn im Stich, die liebe Familie ebenfalls, und wie lachhaft, der Reichtum nutzt ihm auch gar nichts. Erst die Wohltat und die Erkenntnis bringen ihn auf den richtigen, aber letzten Weg.

Trivial die Botschaft der Geschichte, aber wunderbar von dem 17-köpfigen Ensemble gespielt und gesprochen. Ein schön dekadenter Jedermann, ein röchelnd ablebender Gott, ein mondäner Tod, das Trio „Wir wollen niemals auseinander gehen“, die Metaleinlagen, der Minutenvortrag seien nur als Beispiele für die tolle Gesamtkombination aus Besetzung und Umsetzung genannt.

Nach Everyman / Jedermanns Ladung. Mit Texten von Johann Wolfgang Goethe / Oskar Panizza / Ernst Toch / Sophokles / Gertrude

 

Das Filmprogramm der Akzente: Elizabeth und Paracelsus

Was haben Königin Elisabeth I, Martin Luther, der Arzt Paracelsus, der Maler Pieter Bruegel und Gerhard Mercator gemeinsam? Sie lebten alle im 16. Jahrhundert und hatte alle auch damit zu kämpfen. Außerdem sind die ersten vier Hauptpersonen der Filme, die das filmforum anlässlich der Duisburger Akzente gezeigt hat.

Als letzter gibt sich heute „Paracelsus“ noch einmal die Ehre. Gestern hatte der Film von 1942/ 43 wohl für alle Zuschauer nach gut 70 Jahren eine späte Premiere gefeiert. Eigentlich hätte dem Film über den Basler Arzt Paracelsus die Einführung eines anderen berühmten Praktikers vorangehen sollen, aber Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer hatte erkrankt absagen müssen. Sehr schade, denn viele der Zuschauer waren wohl auch seinetwegen ins filmforum gekommen.

Die schwarz-weiß Verfilmung von Georg Wilhelm Pabst erzählt von dem Arzt Paracelsus, der aufgrund seiner recht unkonventionellen Praktiken einen schweren Stand bei Universitätsgelehrten, Magistern und Stadträten hat. Die Zuneigung des Volkes ist jedoch ungebrochen, denn Paracelsus hat Erfolg mit seinen natürlichen Methoden. Nach einem kurzen Höhenflug wird ihm allerdings der Ehrgeiz seines Studenten Johannes beinahe zum Verhängnis. Das Elixier, das er junge Mann verwendet ist noch unerprobt und tötet den Patienten. Nur durch eine List, kann Paracelsus mit seinen Helfern der Festnahme entgehen und aus der Stadt fliehen. Seine Berufung, das Heilen den Menschen, kann er dennoch als bescheidener Wanderarzt erfüllen.

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 Nicht unähnlich ergeht es beispielsweise Cate Blanchett als Elizabeth im gleichnamigen Film. Auch sie muss sich ihren Thron hart erkämpfen und sich gegen intrigierende Widersacher am Hof und in Europa zur Wehr setzen. Unbedingt heiraten soll sie, um ihre Macht zu sichern. Denn der Thron wackelt, schließlich hatte sie von ihrer Schwester ein verarmtes und militärisch schwaches Land übernommen. Gegen alle Widrigkeiten und entgegen aller Forderungen nach einem König an ihrer Seite beweist sie nicht nur unheimlich Stärke, sondern läutet auch die goldene Ära ihres Landes ein.

Die Filme, die vom filmforum ausgewählt wurden, zeigen unterschiedlichste Figuren aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten. Sie alle aber illustrieren die Zeit Gerhard Mercators eindrucksvoll und zeigen welchen Gegebenheiten sich ein anders denkender oder fortschrittlicher Mensch trotzen musste. So wurde der berühmte Kartograph schließlich der Lutherey und Ketzerei angeklagt, ebenso wie Elizabeth. Wir sahen mit der englischen Königin, aber vor allem natürlich auch mit dem revolutionierenden Martin Luther, Menschen, die nicht nur ihre Welt, sondern auch die Zukunft für immer veränderten. Genau wie Gerhard Mercator. Tolle Filme, die besonders gut die vergangene Zeit des Gerhard Mercator ins Jetzt holen.  

Robert Schindel beschließt das Akzente-Literaturprogramm

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(Foto: Schüller)

Den Abschluss des Literaturprogramms der Stadtbibliothek zu den Duisburger Akzenten bildet die Lesung mit Robert Schindel am Sonntag, 18. März im Rahmen des 6. Festes des Jüdischen Buches in der Jüdischen Gemeinde Duisburg - Mülheim/Ruhr - Oberhausen auf dem Springwall 16 in Duisburg-Mitte.

Schindel liest aus seinem neuesten Essay- und Redenband "Man ist viel zu früh jung". Seit seinem Roman "Gebürtig" zählt Schindel zu den großen Persönlichkeiten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Achtung:  Karten zu dieser Veranstaltung gelten gleichzeitig als Tagesticket für das Fest des Jüdischen Buches und sind zum von Preis 5,- EUR ausschließlich über die Jüdische Gemeinde am Springwall 16, Info-Telefon 0203/2981205, erhältlich!

Robert Schindel
"Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden"
Sonntag, 18.03. Beginn12:00 Uhr

Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen
Springwall 16
47051 Duisburg 

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Kaminer in der Stadtbibliothek

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Bei Lesungen denkt manch einer vielleicht an Loriots Lothar Frohwein und seinen "taubtrüben Ginst am Musenhain" und mächtig viel vergeistigtes "Krawehl, Krawehl". Dass eine Lesung beste Unterhaltung mit komischen und nachdenklichen Texten bieten kann, bewies gestern der gebürtige Moskauer Wladimir Kaminer in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadtbücherei. Zur Einstimmung gab es Tanzmusik, ein bisschen "Russendisko" zum Start. Kaminer wird aus seinem Buch "Liebesgrüße aus Deutschland" lesen und ein paar neue Texte vortragen. Jan-Pieter Barbian nennt die "Liebesgrüße.." ein Buch "Über Ablenkungen und absurde Sinnsuchen." Kaminer nennt es einfach "Das dickste und lustigste Buch, das ich bis jetzt geschrieben habe." Mit seinem charmanten, schweren, russichen Akzenten beleuchtet er das deutsch-russische Völkerverständnis und zeigt die alltägliche Schrulligkeit auf beiden Seiten. Das Publikum hat viel Spaß und bringt sich mit ein. Als Kaminer vom Pilze suchen erzählt, wirft eine Frau den Spruch in den Raum: "Da ging sie in den Wald suchte Pilze - jetzt stillt se!" Alles lacht. Abseits dieses lebensbejahenden Themas ist der Abend irgendwie geprägt vom Tod. Und dennoch gibt es viel Gelächter. "Auf dem Friedhof" oder "Über den Weltuntergang" heißen die mit charmant rollendem "R" gelesenen Geschichten. Eingeleitet werden sie oft mit persönlichen Anekdoten des Autors, der ein genauer Beobachter der Welt um ihn herum ist und die vielen Absurditäten, die ihm begegnen aufs Papier bringt. Immer wieder, wenn er über seinen Alltag reflektiert ruft er aus: "Darüber muss ich auch noch ein Buch schreiben!" Die Stoffe werden ihm so schnell nicht ausgehen.

Zum Ende rührt er noch die Werbetrommel, für die Verfilmung seines Buches "Russendisko", die am 29. März anläuft. Darin werde er von Matthias Schweighöfer gespielt. Klar, schließlich sähe im der schlaksige blonde Berliner ja sehr ähnlich. Mit diesem kleinen Kalauer und vielen kleinen Lachfältchen um die Augen entlässt Kaminer nach zwei Stunden (inklusive eifrigem Signierens) endet ein erfolgreicher Abend mit humorvollen Geschichten gegen eine Welt aus Vorurteilen.

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Das filmforum-Programm zu den 34. Duisburger Akzenten: PARACELSUS

Mittwoch, 14.3.12 – 20:30 Uhr

D 1942/43, 106 Min., FSK: 12 J.

Regie: Georg Wilhelm Pabst

Darsteller: Werner Krauß, Martin Urtel, Harald Kreutzberg u.a.

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Seinen Gegnern ist der legendäre Basler Arzt Paracelsus (1493 – 1541) ein Dorn im Auge. Denn er folgt nicht den Lehren der Fakultäten, er stellt seine ganz persönlichen Theorien von der Heilkunde auf. Er sieht sich als Arzt des Volkes und sein Grundsatz lautet: „Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe“. Als es Paracelsus gelingt, den von allen aufgegebenen Buchdrucker Froben zu heilen, ist seine Lehre mit einem Mal in aller Munde. Die Studenten strömen ihm nur so zu, während die konservative Fakultät nur auf eine Gelegenheit wartet, ihn zu zerstören. Zum Verhängnis wird Paracelsus beinahe der ehrgeizige Student Johannes, der ein noch unerprobtes Elixier seines Lehrers verwendet und damit einen Menschen tötet. Die Gegner Paracelsus’ nutzen die Chance und verlangen, dass man den unschuldigen Arzt einsperrt. Paracelsus gelingt die Flucht mit Hilfe eines Gauklers, den er einst heilte, und er lebt fortan als Wanderarzt ein bescheidenes, aber erfülltes Leben.

Einführung: Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Arzt und Autor

Mittwoch, 14.3.12 – 20:30 Uhr

Weitere Vorführung am Donnerstag, 15.3. um 18:00 Uhr

Eintrittspreis:

6,50 € (5,50 € ermäßigt)

Theatertreffen: Leben des Galilei und Das Leben in der Tasche und Konzerte in der Aula

Ein Mann und ein Mädchen sind auf der Bühne. Das Mädchen sitzt auf einem Hocker. Links von dem Mädchen steht auf einem Tisch ein Liter Milch. Der Mann fragt: "Wo steht die Milch?" "Links", antwortet das Mädchen richtig. Der Mann packt den Hocker und dreht ihn mitsamt des Mädchens herum.

"Wo steht die Milch jetzt?"

"Rechts."

"Hat sie sich bewegt?"

"Nein, ich habe mich bewegt."

"NEIN!"

"Der Hocker hat sich bewegt."

"Richtig."

Der glatzköpfige, weiß gekleidete Mann, der hier unterrichtet, ist Galileo Galilei. Der geniale Wissenschaftler hat bewiesen, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht der ruhende Mittelpunkt des Kosmos ist. In Brechts Stück ist er nicht nur ein kluger Forscher sondern auch Genussmensch und Plagiator (so gibt er die Erfindung des Fernrohrs al seine eigener aus). Die Schlussfolgerungen des italienischen Naturwissenschaftlers über die Zusammenhänge des Weltalls "zertrümmern uns noch den ganzen Himmel", befürchtet die Kirche und lässt Galilei in einem Prozess seine Entdeckungen und Erkenntnisse öffentlich widerrufen. Er glaube an die Vernunft, betont Galileo immer wieder. Dennoch beugt er sich der klerikalen Macht. Zum Märtyrer taugt er nicht.

Die Koproduktion des Theater Duisburg  mit dem Theater Bonn stellt sich zwei Stunden lang packenden Fragen: Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch? Welchen Wert hat Wissen? Wie frei ist der Mensch in seinem Handeln? Welche gesellschaftliche Verantwortung hat der Wissenschaftler?

 Unter der Regie von Niklas Ritter entstand eine gelungene Inszenierung mit packenden Dialogen und skuriller Komik (z.B. eine kirchliche Modenschau mit einem Flitzerskandal!).

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(Foto: Theater Bonn)

Theater: Das Leben in der Tasche               

Was ist, wenn man weg muss oder will und man dafür nicht mehr aus seinem Jetzt und seiner Vergangenheit mitnehmen kann, als in eine einzige Tasche passt? Und dann landet man in Duisburg mit all seine n Hoffnungen, Wünschen und Neu rosen. 

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Das Theaterstück „Das Leben in der Tasche“ folgt sechs exemplarischen Menschen, die eben mit ihrer Tasche in Duisburg angekommen sind. Unter ihnen befindet sich auch ein gewisser Landvermesser namens Gerhard. Ganz oben im Theatertrakt ist ihr Terrain, das wunderbar surreal wirkt. 

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So einfach ankommen ist aber nicht, denn eine ganze Horde Zuschauer dringt in dieses Territorium ein und will mitmischen. Aber hübsch der Reihe nach und in geordneten Bahnen, das ist dem Chef, dem Landvermesser wi chtig. So erhält ein jeder einen Raumplan und eine Karte, die ihm den Weg weist.

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Kleine Besuchergrüppchen sehen den Protagonisten über die Schulter. Beispielsweise, wenn der Schrankmann, der nur da in einem Kabuff sein Lachen ertragen kann, hinaus stürzt und sich nicht halten kann. Sein linkes Bein, es will nicht recht, gibt nach wie Pudding. Wirkt komisch, ist komisch, aber die Geschichte dahinter gar nicht. Denn da war die Flucht, teuer erkauft für eine der Nieren, drangvolle Enge auf dem Schiebertransport, das Bein ist irgendwie dabei verloren gegangen. Dabei war der Schrankmann mal ein Tänzer.

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Eine Hupe ertönt. Versammlung auf dem Gang. Daten dreschen um die Ohren. Die Tage an denen alte Heimat verlassen wurde. Alleine oder mit Familie. Mit dem Auto oder irgendwie. Zwischen den Besuchern kriechen, hangeln und schlängeln sich die Bewohner der Tasche entlang. Auf, auf, der nächste Bewohner muss besucht werden. Dieses Mal ist es der Landvermesser. Vorsicht nichts anfassen, er kann es gar nicht leiden, sollte etwas verrückt  werden oder sein. Stopp, langsam, sonst verliert er ganz die Kontrolle. 

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Wieder ein Szenenwechseln. Es darf Platz genommen werden in der Vogelstation. Dort lebt die Kranichfrau, im Grunde lebt sie überall, aber nur noch ganz ätherisch. Jetzt kommen alle Bewohner dazu, wie der Geruchsmensch oder die eine Frau, die nun auch einen Praktikanten hat. Sie stolzieren alle über die ehemaligen Tische des Chemiezimmers und suchen ihre Geschichten.

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Noch einmal wird der Ort gewechselt. Es ist ein Musikzimmer mit Flötist, Gitarist und Trommler. Die Keyboarderin begibt sich auf den Boden der Tatsachen und beginnt samt Flötisten ihr akrobatisches Spiel eines lebendigen Knotens, bis sie angepeitscht durch spanische Klänge in einen gemeinsamen Reigen verfallen. Scharf unterbricht die Hupe das schöne Spiel. Hinaus, alle müssen wieder auf Anfang, das Spiel ist fast aus. Die Bewohner präsentieren sich noch einmal vor ihren Besuchern und deuten noch einmal ihr Schicksal an. Schluss.

Ein MusikTanzTheaterStück von Anja Schöne & Thorsten Töpp in einer Installation von Karin Gerfen
Regie und Text: Anja Schöne, Komposition: Thorsten Töpp

Sonntag, 11.03. 19:00 Uhr
Dienstag, 13.03. 19:00 Uhr
Montag, 12.03. 20:30 Uhr
Mittwoch, 14.03. 20:30 Uhr

 

 

Konzerte: Nic Koray, Katze und My awesome tapes from Africa in der Aula

 

Musik, Musik, Musik gab es in der Aula den ganzen Abend lang. Alles, was man sich darunter vorstellen kann. 

Den Anfang machte Nic Koray gemeinsam mit der Cellistin Katrin Geelvink. Unheimlich gefühlvolle Lieder bringen die Zwei mit ihren Saiteninstrumenten, Nic Koray spielt Gitarre, auf die Bühne. Poetisch und melodisch kommen Texte und Musik daher, für die sich Nic Koray Inspiration scheinbar überall holt. So vertont sie ein irisches Gedicht, wobei das Cello von Katrin Geelvink auch entsprechend eingesetzt werden kann, und schrieb ihr Lied über sich aufdrängende Stille unter einem schwedischen Kirschbaum. Die Zwischenspiele des Cellos verleihen dieser Musik eine besondere vor allem harmonische Note. Nach jedem Stück schauen sich die beiden Frauen auf der Bühne lächelnd an und freuen sich über ihre Musik. So wie wir Zuschauer auch und da ist es kein Wunder, dass eine Zugabe verlangt wird, die die beiden nach kurzer Absprache mit der Regie („Ist das erlaubt?“) gerne geben. 

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Kontrastprogramm ist das Wort des Abends. Laut, schnell, kurz. So lässt sich die Musik der „Katze“ rund um Gitarrist Klaus Cornfield und Sängerin Minki Warhol beschreiben. Ihre Songs tragen ironische Titel wie „Hübsch aber dumm“ und ihre Texte sind sicherlich genauso ironisch und witzig. Schade, dass man nichts davon versteht, weil die Verstärker auf Anschlag aufgedreht sind und man nur ab und zu Minkis Gekreische wahrnehmen kann. Dafür klirrt der Synthesizer in den Ohren, den Minki Warhol mit vollster Konzentration bedient. So mancher würde wohl die „Das ist Krach“-These vertreten andere wiederum sind begeistert. Über Geschmack lässt sich bekannter weise schlecht streiten, aber die vier auf der Bühne kennen auch Selbstironie: Ihr letztes Lied heißt „Wir machen Lärm und schreien dazu“. Stimmt.

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Wieder völlig anders ist die Musik, mit der Brian Shimkovitz die Aula im Anschluss beschallt. „My awesome tapes from Africa“ ist ein DJ-Set, das der Musikethnologe aus gesammelten Kassetten aus Afrika zusammen gestellt hat. Ohne Vorgeplänkel oder Ansage legt der New Yorker los und verleiht dem Schulsaal damit einen loungeartigen Charakter. Die unterschiedlichen Rhythmen lassen sofort den Großteil der Zuschauer mitwippen, die Stühle werden langsam aber sicher zur Seite geschoben und die ersten trauen sich auch die Beine zu bewegen. Zu den verschiedenen Trommeln und exotischen traditionellen Gesängen tanzen die Zuschauer durch den Raum und bewegen sich schließlich völlig frei. So klingt ein ziemlich unkonventioneller und abwechslungsreicher Abend in der Aula aus. 

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Theater: Kein Plan oder Lost in MercatorQuartier

Was ist, wenn man im plötzlichen Nichts – zu nichts Gewohntem mehr zurück greifen kann? Etwas, das Orientierung und Halt bietet, für etwas Sicherheit – um den nächsten Schritt setzen zu können?

Da ist immer noch der eigene Name, der wohl bleibt und bleiben soll, um sich nicht zu verlieren. Die Zuschauergruppe, die das Theaterstück „Kein Plan“ besucht, wird mit eben diesem ausgestattet. Jeder der Besucher erhält zudem einen Eimer mit etwas Proviant für den langen Weg, der das Ziel sein soll: Eine Flasche  Wasser, ein Schokoriegel und ein Brief.

 

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Verena, Bernd, Amelie, Sarah … die Namen der Besucher erschallen aus den Tiefen der Ex-Klassenräume. Die Gruppe folgt zögernd den Sirenen und wird zu einem Raum geleitet, der quer mit Wäscheleinen durchzogen ist an denen beschriftete Zettel hängen. Zwei Schauspieler lesen vor, verschenken die Zeilen: „Nicht rücknehmbar sind die Worte und Gesten, die Sterne nicht zählbar, und der Charakter, wie ein Mantel, im Laufen zu Ende geknöpft – das sind die kläglichen Folgen der Eile.“

Jetzt hau´n die Protagonisten ab, lassen die Besucher stehen und sind im Gang wieder zu finden. Zwei Orientierungslose wissen nicht wohin. Gen Osten, gen Westen?

Ein Xylophon, das aus der Ferne ertönt. Der nächste Raum öffnet sich. Eine Tänzerin füllt den Raum, geleitet die Besucher in eben diesen. Position einnehmen, mitmachen. Zögernd folgt die Gruppe den Anweisungen der Tänzerin: Arme hoch, rechter Arm zur Seite, dann der linke. Was soll das? Aus den kantigen Bewegungen macht die Gastgeberin eine fließende – und da erschließt es sich: Es ist dein ganz persönlicher Raum. Soviel ist schon mal sicher, auch wenn du diesen immer wieder teilen musst.

Auf dem Gang befinden sich die beiden Verirrten immer noch auf ihre Suche und in ihrer Entschlusslosigkeit.

Eine weitere Tür öffnet sich, ein kleiner Kinosaal, ein Film:
Schlafen gehen um aufzustehen
Und schlafen gehen
Um wieder aufzustehen
Das ganze Leben ist ein Kreis

Die Unentschlossenen auf dem Gang, haben sich nun doch entschieden: Beide stecken ihre Köpfe in den Eimer und wissen sich beieinander. So ist es gut.

Der Drahtseilakt: Im nächsten Zimmer leistet die Tänzerin erneut Akrobatisches, dazu ein Kontrabass und die beiden Darsteller, die nun von Sehnsüchten und Hoffnungslosigkeit sprechen. Und von der Zeit, der ewigen, die ewig nicht anhält und verrinnt. Von Zeitlosigkeit und Lebensmüdigkeit und doch am Leben hängen, ein Tanz auf dem Drahtseil bis zum Tod.

Pause! Die Zuschauer werden in einen Snoozle-Raum geführt, Decken und Kissen, sie dürfen Platz nehmen. Es werden Baguette und Wein gereicht – und revolutionäre Worte. Wer hat die Macht, wem gehört die Welt, für wen ist dies hier alles, wer profitiert – und wie demokratisch ist die Demokratie? Meinungsbildung, Weltbild, Freiheit – alles eine Illusion – woran orientiert man sich nun? Parole, Parole, Parole …

Mitten im Raum ein Stück Baumstamm, auf dem eine Frau sitzt, ein Feuer brennt dazu. Frei rezitiert sie. Erzählt von einer Welt, in der gar nichts mehr so ist, wie es vielleicht einmal war. Auf nichts ist mehr Verlass, was eben noch war, kann im nächsten Moment schon Vergangenheit sein. Gewalt, Mord und Tod sind allgegenwärtig. Und da ist kein Ende abzusehen, niemand, der dir hilft oder dir einen Weg weist. Wie ist das bloß auszuhalten? Du überlebst, indem du unmenschlich wirst. All das was Empfindsamkeit, Anteilnahme, Miteinander ausmacht muss weg. Nur wenn du abstumpfst hast eine Chance. Da nutzen auch keine guten Worte. Das Feuer erlischt. Die Besucher werden alleine gelassen.

Erneut folgen sie zögernd den Bassklängen. Das Klassenzimmer ist über und über mit Kerzen bestückt. Die Protagonisten finden kein Ende, stellen immer mehr hinzu. Der Bassist ergreift die Initiative, macht einen Cut, nun ist es gut.

Barbara Wachendendorff (Regie)

Carmen Dalfogo (Schauspielerin)

Ferhat Keskin (Schauspieler)

Annabel Celine Cuny (Tänzerin)

Tim Isfort (Musiker)

Birgit Angele (Raum)

Sven Strathmann (Video)

Ort: MercatorQuartier, Festivalzentrum der Duisburger Akzente, Burgplatz, 47051 Duisburg

Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro
Vorverkauf: Ruhr.Visitorcenter Duisburg im CityPalais, Königstraße 39, 47051 Duisburg
Tel. 0203 285 440

Alice Schwarzer in der Zentralbibliothek

Die Regale wurden beiseite geschoben und unzählige Stuhlreihen aufgestellt. Und jeder einzelne Stuhl ist belegt, vornehmlich von Frauen. Alice Schwarzer liest vor einem vollen Haus. Bereits als sie die Bühne betritt wird sie mit begeistertem Applaus bedacht. Petra Dobler-Wahl stellt die Leserin des Abends noch einmal kurz vor, zählt ihre Errungenschaften auf und stellt auch den Bezug zu Gerhard Mercator her, der schließlich die Marschrichtung für die diesjährigen Akzente vorgibt: Alice Schwarzer war auch eine Pionierin auf ihrem Gebiet und wie Mercator revolutionierte sie die Weltanschauung gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen.

Bevor sie anfängt zu lesen, ergreift Schwarzer selbst das Wort noch einmal: "Der Motor meines Handelns ist Gerechtigkeit, mein Anliegen Chancengleichheit. Männder und Frauen sollen sich als Menschen unter Menschen wahrnehmen, nicht vornehmlich als Gegensätze. Daher soll mein Buch auch als Lehrstück begriffen werden." Damit erntet sie zustimmendes Nicken und Gemurmel. Und so wird es auch den Abend über weiter gehen, denn zwischendurch schweift sie in Erinnerungen außerhalb des Textes ab und holt sich dadurch weitere Sympathien: "Ich kannte mich ja auch ganz gut bei euch hier im Ruhrgebiet aus. Das gehörte ja zu meinem erweiterten Partygebiet."

Schwarzer liest von Stationen ihres Lebens, die sie prägten und die die ersten 34 Jahre ihre Lebens, welche von ihrer Biografie abgehandelt werden, grob skizzieren. Viele der Zuhörerinnen finden sich anscheinend in den Erinnerungen und Anektoden wieder. Sei es über die Leidenschaft zum Rock n' Roll und Elvis in den Fünfzigern oder den Ausreden der Männer keine Hausarbeit machen zu müssen in der Zeit der Frauenbewegung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie in der anschließenden von ihr initiierten Fragerunde von Lob überhäuft wird.

Mit Selbstironie erzählte sie von ihrem bewegten Leben und zu ihren aktuellen Kritikern sagte sie: "[Deren] Botschaft ist ja klar: Die Schwarzer soll den Mund halten, am liebsten soll sie tot oder scheintot sein. Ich glaube, da wird nichts draus." Das glauben wir ihr glatt.

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