Ein Mann und ein Mädchen sind auf der Bühne. Das Mädchen sitzt auf einem Hocker. Links von dem Mädchen steht auf einem Tisch ein Liter Milch. Der Mann fragt: "Wo steht die Milch?" "Links", antwortet das Mädchen richtig. Der Mann packt den Hocker und dreht ihn mitsamt des Mädchens herum.
"Wo steht die Milch jetzt?"
"Rechts."
"Hat sie sich bewegt?"
"Nein, ich habe mich bewegt."
"NEIN!"
"Der Hocker hat sich bewegt."
"Richtig."
Der glatzköpfige, weiß gekleidete Mann, der hier unterrichtet, ist Galileo Galilei. Der geniale Wissenschaftler hat bewiesen, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht der ruhende Mittelpunkt des Kosmos ist. In Brechts Stück ist er nicht nur ein kluger Forscher sondern auch Genussmensch und Plagiator (so gibt er die Erfindung des Fernrohrs al seine eigener aus). Die Schlussfolgerungen des italienischen Naturwissenschaftlers über die Zusammenhänge des Weltalls "zertrümmern uns noch den ganzen Himmel", befürchtet die Kirche und lässt Galilei in einem Prozess seine Entdeckungen und Erkenntnisse öffentlich widerrufen. Er glaube an die Vernunft, betont Galileo immer wieder. Dennoch beugt er sich der klerikalen Macht. Zum Märtyrer taugt er nicht.
Die Koproduktion des Theater Duisburg mit dem Theater Bonn stellt sich zwei Stunden lang packenden Fragen: Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch? Welchen Wert hat Wissen? Wie frei ist der Mensch in seinem Handeln? Welche gesellschaftliche Verantwortung hat der Wissenschaftler?
Unter der Regie von Niklas Ritter entstand eine gelungene Inszenierung mit packenden Dialogen und skuriller Komik (z.B. eine kirchliche Modenschau mit einem Flitzerskandal!).
(Foto: Theater Bonn)
Theater: Das Leben in der Tasche
Was ist, wenn man weg muss oder will und man dafür nicht mehr aus seinem Jetzt und seiner Vergangenheit mitnehmen kann, als in eine einzige Tasche passt? Und dann landet man in Duisburg mit all seine n Hoffnungen, Wünschen und Neu rosen.
Das Theaterstück „Das Leben in der Tasche“ folgt sechs exemplarischen Menschen, die eben mit ihrer Tasche in Duisburg angekommen sind. Unter ihnen befindet sich auch ein gewisser Landvermesser namens Gerhard. Ganz oben im Theatertrakt ist ihr Terrain, das wunderbar surreal wirkt.
So einfach ankommen ist aber nicht, denn eine ganze Horde Zuschauer dringt in dieses Territorium ein und will mitmischen. Aber hübsch der Reihe nach und in geordneten Bahnen, das ist dem Chef, dem Landvermesser wi chtig. So erhält ein jeder einen Raumplan und eine Karte, die ihm den Weg weist.
Kleine Besuchergrüppchen sehen den Protagonisten über die Schulter. Beispielsweise, wenn der Schrankmann, der nur da in einem Kabuff sein Lachen ertragen kann, hinaus stürzt und sich nicht halten kann. Sein linkes Bein, es will nicht recht, gibt nach wie Pudding. Wirkt komisch, ist komisch, aber die Geschichte dahinter gar nicht. Denn da war die Flucht, teuer erkauft für eine der Nieren, drangvolle Enge auf dem Schiebertransport, das Bein ist irgendwie dabei verloren gegangen. Dabei war der Schrankmann mal ein Tänzer.
Eine Hupe ertönt. Versammlung auf dem Gang. Daten dreschen um die Ohren. Die Tage an denen alte Heimat verlassen wurde. Alleine oder mit Familie. Mit dem Auto oder irgendwie. Zwischen den Besuchern kriechen, hangeln und schlängeln sich die Bewohner der Tasche entlang. Auf, auf, der nächste Bewohner muss besucht werden. Dieses Mal ist es der Landvermesser. Vorsicht nichts anfassen, er kann es gar nicht leiden, sollte etwas verrückt werden oder sein. Stopp, langsam, sonst verliert er ganz die Kontrolle.
Wieder ein Szenenwechseln. Es darf Platz genommen werden in der Vogelstation. Dort lebt die Kranichfrau, im Grunde lebt sie überall, aber nur noch ganz ätherisch. Jetzt kommen alle Bewohner dazu, wie der Geruchsmensch oder die eine Frau, die nun auch einen Praktikanten hat. Sie stolzieren alle über die ehemaligen Tische des Chemiezimmers und suchen ihre Geschichten.
Noch einmal wird der Ort gewechselt. Es ist ein Musikzimmer mit Flötist, Gitarist und Trommler. Die Keyboarderin begibt sich auf den Boden der Tatsachen und beginnt samt Flötisten ihr akrobatisches Spiel eines lebendigen Knotens, bis sie angepeitscht durch spanische Klänge in einen gemeinsamen Reigen verfallen. Scharf unterbricht die Hupe das schöne Spiel. Hinaus, alle müssen wieder auf Anfang, das Spiel ist fast aus. Die Bewohner präsentieren sich noch einmal vor ihren Besuchern und deuten noch einmal ihr Schicksal an. Schluss.
Ein MusikTanzTheaterStück von Anja Schöne & Thorsten Töpp in einer Installation von Karin Gerfen
Regie und Text: Anja Schöne, Komposition: Thorsten Töpp
Sonntag, 11.03. 19:00 Uhr
Dienstag, 13.03. 19:00 Uhr
Montag, 12.03. 20:30 Uhr
Mittwoch, 14.03. 20:30 Uhr
Konzerte: Nic Koray, Katze und My awesome tapes from Africa in der Aula
Musik, Musik, Musik gab es in der Aula den ganzen Abend lang. Alles, was man sich darunter vorstellen kann.
Den Anfang machte Nic Koray gemeinsam mit der Cellistin Katrin Geelvink. Unheimlich gefühlvolle Lieder bringen die Zwei mit ihren Saiteninstrumenten, Nic Koray spielt Gitarre, auf die Bühne. Poetisch und melodisch kommen Texte und Musik daher, für die sich Nic Koray Inspiration scheinbar überall holt. So vertont sie ein irisches Gedicht, wobei das Cello von Katrin Geelvink auch entsprechend eingesetzt werden kann, und schrieb ihr Lied über sich aufdrängende Stille unter einem schwedischen Kirschbaum. Die Zwischenspiele des Cellos verleihen dieser Musik eine besondere vor allem harmonische Note. Nach jedem Stück schauen sich die beiden Frauen auf der Bühne lächelnd an und freuen sich über ihre Musik. So wie wir Zuschauer auch und da ist es kein Wunder, dass eine Zugabe verlangt wird, die die beiden nach kurzer Absprache mit der Regie („Ist das erlaubt?“) gerne geben.
Kontrastprogramm ist das Wort des Abends. Laut, schnell, kurz. So lässt sich die Musik der „Katze“ rund um Gitarrist Klaus Cornfield und Sängerin Minki Warhol beschreiben. Ihre Songs tragen ironische Titel wie „Hübsch aber dumm“ und ihre Texte sind sicherlich genauso ironisch und witzig. Schade, dass man nichts davon versteht, weil die Verstärker auf Anschlag aufgedreht sind und man nur ab und zu Minkis Gekreische wahrnehmen kann. Dafür klirrt der Synthesizer in den Ohren, den Minki Warhol mit vollster Konzentration bedient. So mancher würde wohl die „Das ist Krach“-These vertreten andere wiederum sind begeistert. Über Geschmack lässt sich bekannter weise schlecht streiten, aber die vier auf der Bühne kennen auch Selbstironie: Ihr letztes Lied heißt „Wir machen Lärm und schreien dazu“. Stimmt.
Wieder völlig anders ist die Musik, mit der Brian Shimkovitz die Aula im Anschluss beschallt. „My awesome tapes from Africa“ ist ein DJ-Set, das der Musikethnologe aus gesammelten Kassetten aus Afrika zusammen gestellt hat. Ohne Vorgeplänkel oder Ansage legt der New Yorker los und verleiht dem Schulsaal damit einen loungeartigen Charakter. Die unterschiedlichen Rhythmen lassen sofort den Großteil der Zuschauer mitwippen, die Stühle werden langsam aber sicher zur Seite geschoben und die ersten trauen sich auch die Beine zu bewegen. Zu den verschiedenen Trommeln und exotischen traditionellen Gesängen tanzen die Zuschauer durch den Raum und bewegen sich schließlich völlig frei. So klingt ein ziemlich unkonventioneller und abwechslungsreicher Abend in der Aula aus.
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